„Ganz grundsätzlich finde ich ein Übel an unserem Gesundheitssystem das Zweiklassensystem“

wir dokumentieren hier einen weiteren Artikel aus der aktuellen Roten Spritze:


Wir haben uns mit Stefan* unterhalten, der Physiotherapeut in einem kommunalen Krankenhaus in der Nähe von Trier ist und Mitglied des Betriebsrates ist. Er schildert uns seine Eindrücke aus den Berufsalltag und berichtet über seine Motivation im Betrieb aktiv zu werden.

Rote Spritze (RS): Du arbeitest als Physiotherapeut an einem kommunalen Krankenhaus. Wie kam es dazu und warum arbeitest du genau hier?

Stefan: Das ist ganz einfach, als ich Ende der 90er Jahren einen neuen Job als „Krankengymnast“ gesucht und hier einen gefunden habe, der zu mir passte. Ursprünglich war ich tätig in einer freien Praxis mit miesen Arbeitszeiten. Mein Tag begann um 07:00 Uhr und ging mit bis zu dreistündigen Leerlaufzeiten an meinem längsten Wochentag bis 22:30 Uhr. Das war zu Zeiten der großen Gesundheitsreform, plötzlich wurde weniger Krankengymnastik auf Grund von Sparzwängen ärztlich verordnet und der Umsatz bei meinem damaligen Arbeitgeber brach um 70% ein und man konnte mich nicht mehr bezahlen. Ich war zunächst einfach nur froh, dass ich nach Bewerbung auf ein Inserat eine Stelle bekam

RS: Hast du je darüber nachgedacht auf Grund der Bezahlung nach Luxemburg oder in eine private Praxis zu wechseln?

Stefan: Sicher habe ich über Luxemburg nachgedacht, aber die Fahrzeiten und viel Zeit mit dem Auto im Stau zu verbringen haben mich immer abgeschreckt. Außerdem bin ich einfach zufrieden mit meinen derzeitigen, geregelten Arbeitszeiten und das Kollegium stimmt. Das ist auch der Grund warumich nicht mehr in eine private Praxis wollte, wo zudem häufig weniger als der Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt wird. Die Selbstständigkeit kam für mich auf Grund des ständigen Ärgers mit den Krankenkassen auch nicht in Frage.

RS: Zudem bist du im Betriebsrat tätig, wie kam es hierzu und was motiviert dich dort aktiv mitzuarbeiten? Stefan: Ja genau, ich bin mittlerweile zweimal in den Betriebsrat gewählt worden. Hierzu kam es, weil mir während meiner alltäglichen Arbeit auffiel, dass es immer wieder ähnliche Konflikte zwischen Arbeitgeberseite und Arbeitnehmer:innen gibt, die mich auch persönlich mal betroffen haben. Hierbei meine ich unterschiedliche Auffassung über die korrekte Einhaltung von Arbeitsverträgen oder Ausnutzen von Machtgefälle. Es macht mich einfach wütend, wenn allgemein arbeitsrechtlich etwas schief läuft, aber „kleinere“ Verfehlungen von Mitarbeiter:innen verhältnismäßig überzogen abgestraft werden. Deswegen motivierte es mich für den Betriebsrat zu kandidieren, da es hier die Chance gibt daran etwas zu verändern.

RS: Das klingt danach, als wärst du auch in einer Gewerkschaft?

Stefan: Zunächst war ich tatsächlich nicht in einer Gewerkschaft. Vor 2 Jahren bin ich dann in die ver.di eingetreten, weil ich bemerkt habe, dass dies schon meiner Arbeit im Betriebsrat hilft, rein informativ für mich oder die Rücksprache und Prüfung von Sachverhalten durch die Gewerkschaft ist schon sehr hilfreich.

RS: Seit über 2 Jahren leben wir nun in einer Pandemie? Inwieweit hat sich deine Arbeit hierdurch verändert?

Stefan: Zunächst wurde das physiotherapeutische Angebot bis auf das allernötigste beschränkt. Sprich die ambulanten Termine mussten alle abgesagt werden. Dadurch entstanden freie Kapazitäten, die genutzt wurden, um mich in einer Fieberambulanz einzusetzen, wo wir Verdachtsfälle untersucht und für PCR-Tests abgestrichen habe. Parallel war ich durch mein sowieso bestehendes Einsatzgebiet auf der Intensivstation somit von Anfang an bei der Betreuung von COVID-19 Fällen dabei und wurde deswegen für die ersten Impfdosen priorisiert. Das führte wiederum dazu, dass ich als einer der ersten „Geimpften“ dauerhaft auch auf der Isolierstation eingesetzt wurde. Da ich kinderlos bin, war ich aber von Anfang auch dazu geneigt freiwillig mit COVID-Patient:innen. Wir wussten anfangs nicht viel über diese Krankheit und ich hätte es nicht richtig gefunden, Kolleg:innen mit kleinen Kindern zu Hause vorzuschicken. RS: Hat die Pandemie allgemeine Probleme im Gesundheitssystem für dich direkt spürbar aufgedeckt? Stefan: Ja klar, man war nicht darauf vorbereitet. Wenn ich an die Anfangszeit der Pandemie und an meine Einsätze in der Fieberambulanz denke, fällt mir ein, dass wir jeweils eine FFP2-Maske pro Person und Woche zur Verfügung hatten. Nicht so wie heutzutage, wo wir quasi alle paar Stunden oder nach infektiösen Kontakten die Masken wechseln können. Ganz grundsätzlich finde ich ein Übel an unserem Gesundheitssystem das „Zweiklassensystem“. Ich persönlich empfinde das als falsch, es dürfte einfach nur ein System für alle geben und vor dem alle gleich sind. Alleine das dadurch unterschiedliche Wartezeiten auf Termine entstehen, die nichts mit medizinischer Priorisierung zu tun haben dürfte es in einem gerechten System nicht geben. Glücklicherweise kann mir der Versicherungsstatus bei meiner Tätigkeit im Krankenhaus egal sein, davon ist mein Gehalt nicht abhängig, im Gegensatz wahrscheinlich zur privaten Praxis, wo darauf geachtet werden muss einen gewissen Anteil Privatpatient:innen zu behandeln, um Gewinne zu erwirtschaften. Das Gesundheitssystem sollte nicht gezwungen sein Gewinn zu erwirtschaften.

RS: Was würdest du direkt ändern, wenn du dazu z.B. als Gesundheitsminister die Befähigung hättest? Stefan: Ich würde in allen Bereichen direkt viel mehr Personal einstellen, wobei ich mich dann auch frage: Wobekäme ich das Personal her? Wobei im physiotherapeutischen Bereich nicht unenedlich viele Stellen frei sind. Wir haben hier z.B. eine Kooperation mit einer externen physiotherapeutisch ausbildenden Schule. Ein paar Schüler:innen absolvieren ihren Praxisteil dann bei uns und wenn wir dann eine Stelle frei haben, werden auch welche übernommen. Bis jetzt haben wir von dieser Schule noch niemanden übernommen. Bei anderen Arbeitgebern wird jedoch immer häufiger ein zusätzliches Studium im physiotherapeutischen Bereich gefordert. Eine Entwicklung die mir als junger Mensch wahrscheinlich aber auch gefallen hätte, wie im Handwerk beispielsweise sich nach der Ausbildung zum „Meister“ weiter ausbilden zu lassen.

Das Interview führte Ulrike, Trier

Energiepreise explodieren – die Profite auch – DKP startet Kampagne

Michael Müller ist zufrieden: „Nach einem ereignisreichen Geschäftsjahr erwarten wir ein hervorragendes Ergebnis für 2021,
das unsere Prognose deutlich übertrifft.“

Bei den Zahlen, die der RWE-Chef präsentiert, kann dem ge￾meinen Stromkunden leicht schwindlig werden: Satte 1,57 Milliarden Euro Nettogewinn machte der Stromriese im „Krisenjahr“ 2021. Dagegen wirken die jüngst
von der Bundesregierung beschlossenen 300-400€ Einmalzahlung pro Haushalt
als Ausgleich für steigende Energiekosten bei geschätzten 2000,-€ mehr Heizkosten eher als ein schlechter Witz.

Aber auch die RWE-Konkurrenz lässt sich nicht lumpen. Auf nicht weniger als 2,5 Milliarden Euro verdoppelte e.on seinen Gewinn im Jahr
2021. Der Konzern „profitierte unter anderem vom kühlen Wetter im ersten Halbjahr“, heißt es hierzu nüchtern im „Handelsblatt“. Die
rund sieben Millionen Menschen in Deutschland, die nach offiziellen Zahlen bereits 2020 nicht genug Geld besaßen, um ihre Wohnung angemessen zu heizen, hat￾ten letztes Jahr also die Wahl, ob sie weiter frieren
oder für die Portokasse von e.on und Co. zur Abwechslung mal hungern, die Nachhilfe der Kinder streichen oder die Fahrt zur Familie
über Ostern ausfallen lassen.

Es sind nicht die Michael Müllers, die leiden…

Es ist vor allem die arbeitende Bevölkerung, die unter dem Preisanstieg bei Öl, Gas und Strom leidet. Während Michael Müller und seine Kollegen in den letzten beiden Jahren sicher genug Kleingeld dazu verdient haben sollten, um ihren Jacuzzi nun auch die ganze Nacht lang zu beleuchten, weil das irgendwie nett aussieht, wenn man aus dem Schlafzimmerfenster runterschaut, sah es für die Lohnabhängigen etwas weniger rosig aus.

Nach einem durchschnittlichen Reallohnverlust von 1,1 % im Jahr 2020 sind die Verdienste auch 2021 bei Einberechnung der allgemeinen Preissteigerungen um 0,1 %
gesunken. Im Gesundheits- und Pflegebereich konnten sich zwar einige über einen „Corona-Bonus“ freuen, der nicht selten mäßige Lohnerhöhungen ausgleichen sollte, aber bei Preisanstiegen um durchschnittlich 60 Prozent bei Strom und 76 Prozent bei Gas ist jeder Bonusscheck schnell aufgebraucht und die Preise steigen aufgrund des Ukraine-Kriegs durch die Decke. Bis zu 2000,- € mehr im Jahr muss ein Durchschnittshaushalt bei solchen Steigerungen aufbringen, rechnete jüngst die Süddeutsche Zeitung aus. Zwar variieren die individuellen Belastungen gerade der einfachen Bevölkerung stark: So trifft es Neukunden, die aufgrund der Insolvenz
ihres Anbieters automatisch in die Grundversorgung kamen, besonders hart – hier konnte sich der Strompreis leicht verdoppeln nochmals erhöhen. Die 21.000 Stadtwerke-Kunden in Trier mussten hingegen bisher „nur“ 15 bis 20 % mehr für Gas bezahlen. Einfacher wurde das Bestreiten des Lebensunterhaltes angesichts der ebenfalls rasant steigenden Preise für Grundnahrungsmittel oder Benzin aber sicher für keinen Normalverdienenden, Arbeitslosen, Rentner oder Azubi.

Energiepreisstopp jetzt!

Der Widerstand gegen diese Abzocke der arbeitenden Bevölkerung durch die Energiekonzerne und die Homöopathie-Entlastungen der Regierenden hält sich bisher in Grenzen. Zu verbreitet ist
das Denken, es würde ja irgendwie alle gleich treffen, wir müssten alle den Gürtel enger schnallen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist daher die kürzlich gestartete Kampagne der DKP für einen sofortigen
Energiepreisstopp und die Verstaatlichung der Energiekonzerne. Wer sich die Zahlen vom Anfang nochmal vor Augen führt, dem sollte es
an Argumenten für eine Unterschrift unter diese Forderung nicht fehlen.


Daniel, Trier

Rotes Sommerkino im Juni

Wir starten unser Rotes Sommerkino Jeden 2. Freitag im Monat von Juni bis September zeigen wir euch einen politischen Film – umsonst und draußen im Garten des Komplex Infoladen Trier.

Der erste Filmabend startet um 21:30 am 10.06.22 direkt nach unserem Lesekreis der wiederum um 18 Uhr beginnt. Der Film den wir schauen ist ein Spielfilm, spielt in Frankreich und widmet sich dort der harten Realität französischer Ghettos und deren Bewohner. Wir freuen uns auf euch!

Karl-Marx-Lesekreis (2. Treffen)

Marxismus, Materialismus, Dialektik, Kapitalisten, Bourgeoisie, Proletarier, Kommunismus… Was ist das eigentlich genau? Was unterscheidet den Marxismus von anderen Weltanschauungen und wie hilft er uns dabei sich unsere Welt zu erschließen? Wieso sprechen Kommunist:innen vom wissenschaftlichen Sozialismus?

Diesen Fragen wollen wir in unserer Veranstaltung auf den Grund gehen. Wir laden euch herzlich zu unserem zweiten Treffen des Lesekreises ein, der sich mit dem Grundlagen des Marxismus beschäftigt.

Dazu lesen wir das Buch „Karl Marx. 100 Seiten“ von Dietmar Dath, das sich speziell an Einsteiger:innen an die Materie richtet.

Das zweite Treffen findet am 10. Juni um 18Uhr im Komplex – Infoladen Trier (Hornstraße 7 – Trier-West) statt.
Einsteigen ist definitiv noch möglich. Kommt gerne vorbei!

Krankenhaus Ehrang: Schließung ist eine Farce

Die aktuelle Rote Spritze, Kleinzeitung der DKP Trier und SDAJ Trier, erschien Mitte Mai 2022. Wir dokumentieren an dieser Stelle den Titelbeitrag:

Anfang Dezember beschloss die Geschäftsführung des Klinikums „Mutterhaus der Borromäerinnen“ das Krankenhaus in Trier-Ehrang zu schließen. Der Medizinische Geschäftsführer Dr. Sprenger sagte damals: “… letztlich hat die verheerende Jahrhundertflut, die für uns alle völlig unerwartet kam, unsere Pläne für Ehrang komplett zunichte gemacht“. Dies kam für die Menschen vor Ort unerwartet. Wie haltbar ist die Aussage von Dr. Sprenger? War die Schließung doch vielleicht von langer Hand geplant und die Flut nur eine geeignete Ausrede für die Schließung?

Rückblick: Am 15.07.2021 erreichte das Hochwasser der Kyll Trier-Ehrang. Aus dem Krankenhaus Ehrang wurden circa 100 Menschen evakuiert. Die Schäden im Stadtteil waren, wie in zahlreichen Städten und Gemeinden in West- und Mitteleuropa, gravierend. Viele Menschen verloren alles. Nach dem Wasser und dem Schlamm begann das große Aufräumen. Der Schaden am Krankenhaus Ehrang soll sich auf mehrere Millionen Euro belaufen. Damals sprach Dr. Sprenger noch davon, dass die Klinik in Trier-Ehrang „auf jeden Fall“ wieder in Betrieb gehen würde.

Schließung im Dezember beschlossene Sache

Anfang Dezember dann der große Knall: Die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat der Mutterhaus gGmbH beschließen, das Krankenhaus Ehrang nun doch nicht mehr zu öffnen. In der Erklärung hierfür werden unter anderem die hohen Kosten genannt. So viel zu den vollmundigen Bekundungen der Geschäftsführung von Ende Juli. Die Ehranger Bürger*innen sind enttäuscht. Sie starten Petitionen, wollen für „ihr“ Krankenhaus kämpfen. Sie erhoffen sich die Unterstützung von Bund undLand. Politiker*innen aller Parteien vor Ort schalten sich ein. Sie beteuern alle, sich für den Erhalt des Krankenhauses einzusetzen. Man könne die Entscheidung nicht nachvollziehen, bleibe aber im Dialog. Und außerdem können man ja froh sein, dass die Versorgung vor Ort genau durch diesen Träger aufrecht erhalten bleibt, der ja seine beiden Standorte in Trier weiter ausbaut. Und dann noch der Faktor Zeit: Von „mehreren Monaten“ spricht Dr. Sprenger nun nicht mehr. 3-5 Jahre könnte die Renovierung dauern. Zeit, die man laut Dr. Sprenger nicht habe, da in der Zwischenzeit die Strukturen so oder so schon in Trier-Nord bereitgestellt werden müssten. Aller Einsatz, alle Beteuerungen verkommenzudem,was sie sind: Täuschung der Menschen. Es wird dem Krankenhaus Ehrang aller Wahrscheinlichkeit genauso ergehen, wie vielen Krankenhäusern in den letzten Jahren. Es bleibt geschlossen, wenn der öffentliche Widerstand sich nicht stärker formiert.

Ehemaliger Chefarzt wirft Klinikleitung Fehlentscheidung vor

Anfang Februar 2022 meldet sich der ehemalige Chefarzt des Krankenhaus Ehrangs, Dr. Peter Westrich, zu Wort. Er kritisiert, dass die Klinikleitung bereits 2017 das Zentrallabor in Ehrang schließen ließ. Man habe damit dem Krankenhaus Ehrang bereits den Todesstoß versetzt. Ohne Labor keine Intensivstation, ohne Intensivstation keine Überwachung der Patient*innen nach komplexen Eingriffen. Laut Dr. Westrich eine geplante Destrukturierung des Standorts Ehrang. Alle diese Eingriffe fanden dann schlussendlich im Haupthaus in Trier-Nord statt. Da hatte man die nötigen Mittel und das nötige Personal. Statt an zwei Standorten ein Labor zu betreiben, war es jetzt nur noch ein Standort. Man konnte somit Kosten und Personal einsparen.

Die Landbevölkerung als Verlierer

Die Krankenhausschließung im ländlich geprägten Stadtteil Ehrang hat weitreichende Folgen für das Umland. Die Anfahrtswege zum nächsten Krankenhaus werden immer länger. Aus diesem Grund schalten sich auch die Bürgermeister aus der benachbarten Verbandsgemeinde Speicher in die Diskussion mit ein. Auch sie wollen das Krankenhaus erhalten. Schon jetzt ist die medizinische Versorgung der Landbevölkerung in der Krise. Viele ältere Landärzte schließen ihre Praxen. Nachwuchs ist schwer zu finden. In den wenigen Krankenhäusern, die hier noch bleiben, wird inzwischen die „hausärztliche Versorgung“ am Abend und am Wochenende sichergestellt. Bis zum nächsten Arzt fährt man dann 30 Minuten. Interessiert die Krankenhausbetreiber aber nicht. Die sehen nur ihre Zahlen vor Ort. Umso größer das Krankenhaus, desto höher die Einnahmen. Und ja, diese Krankenhäuser sind alle in christlicher Hand.

Fachkräftemangel als Ausrede

Die Instandsetzung des Krankenhaus Ehrangs würde circa 30 Millionen Euro kosten, so liest man in den Medien. Der Träger des Krankenhauses müsste nur 20 Prozent der Kosten tragen. Den Rest würde das Land tragen. Interessiert nur die Geschäftsführung der Boromäerinnen nicht. Man habe ja gar nicht ausreichend Personal, um den Standort Ehrang aufrecht zu erhalten. In den letzten Jahren verlassen immer mehr Fachkräfte ihren Job. Dies liegt vor allem an den schlechten Arbeitsbedingungen: hoher Arbeitsdruck, schlechte Ausbildungsbedingungen, geringe Bezahlung. Es braucht von Seiten der Beschäftigten und der Gewerkschaften viel mehr Druck, um die Verhältnisse in den Kliniken zu verändern. Wer gute Fachkräfte haben will, muss sie auch gut behandeln. Die Zeiten und auch die Interessen der Menschen haben sich verändert. Das alte Motto „Leben, um zu Arbeiten“ hat längst ausgedient. Die jüngeren Generationen wünschen sich genügend Freiraum, um sich selbst zu verwirklichen. Dazu benötigen sie zum einen ein ausreichendes Einkommen. Zum anderen brauchen und fordern sie gute Arbeitsbedingungen.

Rekommunalisierung als Lösung?

Doch wie könnte ein Neustart des Krankenhauses in Ehrang aussehen? Es kann nur eine Lösung geben: Rekommunalisierung! Und dann? Stellt man Fachkräfte und Ärzte ein, die in diesem Krankenhaus arbeiten. In Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften baut man das System so um, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen Gehör finden und langfristig gute Arbeitsbedingungen vorfinden. Leider ist das Geld auch bei den Kommunen knapp. Also wird’s wohl nichts mit der Rekommunalisierung?

Geld ist genug da

Als Kommunist*innen ist für uns klar: Unser Gesundheitssystem darf nicht den Grundsätzen des Kapitalismus unterworfen sein. Wir brauchen eine Daseinsvorsorge, die allen Menschen zugutekommt. Die vor Ort den Menschen zur Seite steht. Diese kann und darf nicht an marktwirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet sein. Geld ist genug vorhanden! Wir unterstützen die Proteste der Menschen vor Ort für den Erhalt und den Wiederaufbau als vollwertiges Krankenhaus in Ehrang. Dies wird nur unter einer kommunalen Trägerschaft möglich sein. Wir fordern die Regierenden auf, die Krankenhausfinanzierung neu zu strukturieren und alle Krankenhäuser in kommunale Trägerschaft zu überführen! Nur so lässt sich die Gesundheitsvorsorge für alle Menschen wohnortnah verwirklichen!machen?

Marco, Trier

Pressefest dieses Jahr in Berlin

Am 27. und 28. August findet das UZ-Pressefest statt, an anderem Ort, aber nicht minder schön:
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.
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[vollständig: unsere-zeit.de]
——

Nun ist es entschieden und verkündet. „Die Linken, die fortschrittlichsten Teile der Arbeiterbewegung, die Friedenskräfte, diejenigen, die sich nicht von den Massenmedien in den deutschen Großmachtkurs integrieren lassen, wir selbst – brauchen das UZ-Pressefest, das Fest des Friedens“, so Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, am vergangenen Sonntag auf einem Online-Parteitag. Und er fügte an: In diesem Jahr am 27. und 28. August in Berlin. „Neuer Platz – nicht einfach, andere Stadt – auch nicht einfach. Aber zum ersten Mal im Osten des Landes“, so Köbele. Das sei eine riesige Chance, ein gutes, ein richtiges Signal. Die DKP werde zeigen, dass sie in der Lage ist, in der Hauptstadt dieses Landes ein ausstrahlendes, Kraft spendendes Pressefest durchzuführen.

Die Absage des Revierparks Wischlingen in Dortmund hatte weh getan. Seit 1995, ein Dutzend mal, hatten DKP und UZ ihre Mitglieder, Freundinnen und Freunde, Leserinnen und Leser und viele internationale Gäste in den weitläufigen Park nach Dortmund eingeladen. Tausende strömten auf die Wiesen und in die Zelte. Der Platz war gesetzt, das Team eingespielt. Entsprechend schwer tat sich die Pressefestleitung, einen neuen Platz zu finden.…

Das Fest abzusagen war keine Option. Die DKP und ihre Mitglieder brauchen das Fest, die Friedensbewegung braucht es, unsere Kolleginnen und Kollegen, die um Entlastung, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, brauchen es. Wir wollen gemeinsam Kultur erleben, feiern und diskutieren.

Ein Fest des Friedens in der Stadt, in der die Regierenden ihre „Zeitenwende“ ausgerufen haben und ihre Kriegspläne schmieden, ist … eine gute Lösung. Ein großes Fest von DKP und UZ in der Stadt, in der eine „rot-rot-grüne“ Regierung am Tag der Befreiung Sowjetfahnen verbot ist … eine gute Lösung. Diese Stadt braucht mehr richtiges Rot!

Karl-Marx-Lesekreis startet

Marxismus, Materialismus, Dialektik, Kapitalisten, Bourgeoisie, Proletarier, Kommunismus… Was ist das eigentlich genau? Was unterscheidet den Marxismus von anderen Weltanschauungen und wie hilft er uns dabei sich unsere Welt zu erschließen? Wieso sprechen Kommunist:innen vom wissenschaftlichen Sozialismus?

Diesen Fragen wollen wir in unserer Veranstaltung auf den Grund gehen.

Wir laden euch herzlich zu unserem Lesekreis ein, der sich mit dem Grundlagen des Marxismus beschäftigt. Dazu lesen wir das Buch „Karl Marx. 100 Seiten“ von Dietmar Dath, das sich speziell an Einsteiger:innen an die Materie richtet.

Start des Lesekreises ist Freitag der 27. Mai um 18Uhr im Komplex – Infoladen Trier (Hornstraße 7 – Trier-West)

Interessanter Bericht über Reise nach Rojava

Heute fand der Vortrag von uns und der SDAJ Trier mit anschließender Diskussion von dr. med. univ. Simon Becker über seine medizinische Delegationsreise nach Nordost-Syrien (Rojava) statt. Es waren sehr interessante Einblicke in die medizinischen und politischen Verhältnisse in dieser sehr angespannten Weltregion zu hören, dem circa 40 Besucher*innen im Komplex – Infoladen Trier lauschten. Danke an Simon, danke an alle, die da waren. Ein ausführlicherer Bericht wird noch folgen.

8. Mai – Befreiung vom Faschismus!

Bereits zum 75. Jahrestag der Befreiung von der faschistischen Barbarei richtete der Arzt und Kommunist Moritz Mebel (+) einen Brief an den damaligen Außenminister der Bundesregierung.
Er, der als Soldat der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion „unvorstellbare Grausamkeiten, begangen von unseren deutschen Landsleuten”, gesehen habe, wolle daran erinnern:
»Wir stehen für alle Zeiten in der Schuld des Landes, das im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Menschen verlor. Das scheint hierzulande weitgehend vergessen. Mehr als das: Die Sowjetunion wird mit Hitlerdeutschland verglichen. Deutsche Panzer stehen im Rahmen der NATO an russischen Grenzen, und die veröffentlichte Meinung schürt antirussische Stimmungen.«

Nun beschließt die Landesregierung Berlin [SPD-Grüne-Linkspartei], dass am 8. und 9. Mai, den Tagen der Befreiung und des Sieges über Krieg und Faschismus in Berlin, das Zeigen der Flagge der Sowjetunion, der Roten Armee, sowjetischer Militärflaggen oder des St.Georgs-Band, das Spielen der Musik der Roten Armee verboten sei. Was für eine Schändung der Befreiung von Krieg und Faschismus! Was für eine Verhöhnung der Gefallenen!

Wir Kommunistinnen und Kommunisten danken der Roten Armee, den Armeen der Anti-Hitler-Koalition, den Partisaninnen*, den kämpfenden Antifaschistinnen und Antifaschisten für die Befreiung vom Faschismus.

спасибо! merci! thank u!
grazie! ευχαριστώ! xвала! דאַנקען! danke.