
Michael Müller ist zufrieden: „Nach einem ereignisreichen Geschäftsjahr erwarten wir ein hervorragendes Ergebnis für 2021,
das unsere Prognose deutlich übertrifft.“
Bei den Zahlen, die der RWE-Chef präsentiert, kann dem gemeinen Stromkunden leicht schwindlig werden: Satte 1,57 Milliarden Euro Nettogewinn machte der Stromriese im „Krisenjahr“ 2021. Dagegen wirken die jüngst
von der Bundesregierung beschlossenen 300-400€ Einmalzahlung pro Haushalt
als Ausgleich für steigende Energiekosten bei geschätzten 2000,-€ mehr Heizkosten eher als ein schlechter Witz.
Aber auch die RWE-Konkurrenz lässt sich nicht lumpen. Auf nicht weniger als 2,5 Milliarden Euro verdoppelte e.on seinen Gewinn im Jahr
2021. Der Konzern „profitierte unter anderem vom kühlen Wetter im ersten Halbjahr“, heißt es hierzu nüchtern im „Handelsblatt“. Die
rund sieben Millionen Menschen in Deutschland, die nach offiziellen Zahlen bereits 2020 nicht genug Geld besaßen, um ihre Wohnung angemessen zu heizen, hatten letztes Jahr also die Wahl, ob sie weiter frieren
oder für die Portokasse von e.on und Co. zur Abwechslung mal hungern, die Nachhilfe der Kinder streichen oder die Fahrt zur Familie
über Ostern ausfallen lassen.
Es sind nicht die Michael Müllers, die leiden…
Es ist vor allem die arbeitende Bevölkerung, die unter dem Preisanstieg bei Öl, Gas und Strom leidet. Während Michael Müller und seine Kollegen in den letzten beiden Jahren sicher genug Kleingeld dazu verdient haben sollten, um ihren Jacuzzi nun auch die ganze Nacht lang zu beleuchten, weil das irgendwie nett aussieht, wenn man aus dem Schlafzimmerfenster runterschaut, sah es für die Lohnabhängigen etwas weniger rosig aus.
Nach einem durchschnittlichen Reallohnverlust von 1,1 % im Jahr 2020 sind die Verdienste auch 2021 bei Einberechnung der allgemeinen Preissteigerungen um 0,1 %
gesunken. Im Gesundheits- und Pflegebereich konnten sich zwar einige über einen „Corona-Bonus“ freuen, der nicht selten mäßige Lohnerhöhungen ausgleichen sollte, aber bei Preisanstiegen um durchschnittlich 60 Prozent bei Strom und 76 Prozent bei Gas ist jeder Bonusscheck schnell aufgebraucht und die Preise steigen aufgrund des Ukraine-Kriegs durch die Decke. Bis zu 2000,- € mehr im Jahr muss ein Durchschnittshaushalt bei solchen Steigerungen aufbringen, rechnete jüngst die Süddeutsche Zeitung aus. Zwar variieren die individuellen Belastungen gerade der einfachen Bevölkerung stark: So trifft es Neukunden, die aufgrund der Insolvenz
ihres Anbieters automatisch in die Grundversorgung kamen, besonders hart – hier konnte sich der Strompreis leicht verdoppeln nochmals erhöhen. Die 21.000 Stadtwerke-Kunden in Trier mussten hingegen bisher „nur“ 15 bis 20 % mehr für Gas bezahlen. Einfacher wurde das Bestreiten des Lebensunterhaltes angesichts der ebenfalls rasant steigenden Preise für Grundnahrungsmittel oder Benzin aber sicher für keinen Normalverdienenden, Arbeitslosen, Rentner oder Azubi.
Energiepreisstopp jetzt!
Der Widerstand gegen diese Abzocke der arbeitenden Bevölkerung durch die Energiekonzerne und die Homöopathie-Entlastungen der Regierenden hält sich bisher in Grenzen. Zu verbreitet ist
das Denken, es würde ja irgendwie alle gleich treffen, wir müssten alle den Gürtel enger schnallen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist daher die kürzlich gestartete Kampagne der DKP für einen sofortigen
Energiepreisstopp und die Verstaatlichung der Energiekonzerne. Wer sich die Zahlen vom Anfang nochmal vor Augen führt, dem sollte es
an Argumenten für eine Unterschrift unter diese Forderung nicht fehlen.
Daniel, Trier