Die aktuelle Rote Spritze, Kleinzeitung der DKP Trier und SDAJ Trier, erschien Mitte Mai 2022. Wir dokumentieren an dieser Stelle den Titelbeitrag:

Anfang Dezember beschloss die Geschäftsführung des Klinikums „Mutterhaus der Borromäerinnen“ das Krankenhaus in Trier-Ehrang zu schließen. Der Medizinische Geschäftsführer Dr. Sprenger sagte damals: “… letztlich hat die verheerende Jahrhundertflut, die für uns alle völlig unerwartet kam, unsere Pläne für Ehrang komplett zunichte gemacht“. Dies kam für die Menschen vor Ort unerwartet. Wie haltbar ist die Aussage von Dr. Sprenger? War die Schließung doch vielleicht von langer Hand geplant und die Flut nur eine geeignete Ausrede für die Schließung?
Rückblick: Am 15.07.2021 erreichte das Hochwasser der Kyll Trier-Ehrang. Aus dem Krankenhaus Ehrang wurden circa 100 Menschen evakuiert. Die Schäden im Stadtteil waren, wie in zahlreichen Städten und Gemeinden in West- und Mitteleuropa, gravierend. Viele Menschen verloren alles. Nach dem Wasser und dem Schlamm begann das große Aufräumen. Der Schaden am Krankenhaus Ehrang soll sich auf mehrere Millionen Euro belaufen. Damals sprach Dr. Sprenger noch davon, dass die Klinik in Trier-Ehrang „auf jeden Fall“ wieder in Betrieb gehen würde.
Schließung im Dezember beschlossene Sache
Anfang Dezember dann der große Knall: Die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat der Mutterhaus gGmbH beschließen, das Krankenhaus Ehrang nun doch nicht mehr zu öffnen. In der Erklärung hierfür werden unter anderem die hohen Kosten genannt. So viel zu den vollmundigen Bekundungen der Geschäftsführung von Ende Juli. Die Ehranger Bürger*innen sind enttäuscht. Sie starten Petitionen, wollen für „ihr“ Krankenhaus kämpfen. Sie erhoffen sich die Unterstützung von Bund undLand. Politiker*innen aller Parteien vor Ort schalten sich ein. Sie beteuern alle, sich für den Erhalt des Krankenhauses einzusetzen. Man könne die Entscheidung nicht nachvollziehen, bleibe aber im Dialog. Und außerdem können man ja froh sein, dass die Versorgung vor Ort genau durch diesen Träger aufrecht erhalten bleibt, der ja seine beiden Standorte in Trier weiter ausbaut. Und dann noch der Faktor Zeit: Von „mehreren Monaten“ spricht Dr. Sprenger nun nicht mehr. 3-5 Jahre könnte die Renovierung dauern. Zeit, die man laut Dr. Sprenger nicht habe, da in der Zwischenzeit die Strukturen so oder so schon in Trier-Nord bereitgestellt werden müssten. Aller Einsatz, alle Beteuerungen verkommenzudem,was sie sind: Täuschung der Menschen. Es wird dem Krankenhaus Ehrang aller Wahrscheinlichkeit genauso ergehen, wie vielen Krankenhäusern in den letzten Jahren. Es bleibt geschlossen, wenn der öffentliche Widerstand sich nicht stärker formiert.
Ehemaliger Chefarzt wirft Klinikleitung Fehlentscheidung vor
Anfang Februar 2022 meldet sich der ehemalige Chefarzt des Krankenhaus Ehrangs, Dr. Peter Westrich, zu Wort. Er kritisiert, dass die Klinikleitung bereits 2017 das Zentrallabor in Ehrang schließen ließ. Man habe damit dem Krankenhaus Ehrang bereits den Todesstoß versetzt. Ohne Labor keine Intensivstation, ohne Intensivstation keine Überwachung der Patient*innen nach komplexen Eingriffen. Laut Dr. Westrich eine geplante Destrukturierung des Standorts Ehrang. Alle diese Eingriffe fanden dann schlussendlich im Haupthaus in Trier-Nord statt. Da hatte man die nötigen Mittel und das nötige Personal. Statt an zwei Standorten ein Labor zu betreiben, war es jetzt nur noch ein Standort. Man konnte somit Kosten und Personal einsparen.
Die Landbevölkerung als Verlierer
Die Krankenhausschließung im ländlich geprägten Stadtteil Ehrang hat weitreichende Folgen für das Umland. Die Anfahrtswege zum nächsten Krankenhaus werden immer länger. Aus diesem Grund schalten sich auch die Bürgermeister aus der benachbarten Verbandsgemeinde Speicher in die Diskussion mit ein. Auch sie wollen das Krankenhaus erhalten. Schon jetzt ist die medizinische Versorgung der Landbevölkerung in der Krise. Viele ältere Landärzte schließen ihre Praxen. Nachwuchs ist schwer zu finden. In den wenigen Krankenhäusern, die hier noch bleiben, wird inzwischen die „hausärztliche Versorgung“ am Abend und am Wochenende sichergestellt. Bis zum nächsten Arzt fährt man dann 30 Minuten. Interessiert die Krankenhausbetreiber aber nicht. Die sehen nur ihre Zahlen vor Ort. Umso größer das Krankenhaus, desto höher die Einnahmen. Und ja, diese Krankenhäuser sind alle in christlicher Hand.
Fachkräftemangel als Ausrede
Die Instandsetzung des Krankenhaus Ehrangs würde circa 30 Millionen Euro kosten, so liest man in den Medien. Der Träger des Krankenhauses müsste nur 20 Prozent der Kosten tragen. Den Rest würde das Land tragen. Interessiert nur die Geschäftsführung der Boromäerinnen nicht. Man habe ja gar nicht ausreichend Personal, um den Standort Ehrang aufrecht zu erhalten. In den letzten Jahren verlassen immer mehr Fachkräfte ihren Job. Dies liegt vor allem an den schlechten Arbeitsbedingungen: hoher Arbeitsdruck, schlechte Ausbildungsbedingungen, geringe Bezahlung. Es braucht von Seiten der Beschäftigten und der Gewerkschaften viel mehr Druck, um die Verhältnisse in den Kliniken zu verändern. Wer gute Fachkräfte haben will, muss sie auch gut behandeln. Die Zeiten und auch die Interessen der Menschen haben sich verändert. Das alte Motto „Leben, um zu Arbeiten“ hat längst ausgedient. Die jüngeren Generationen wünschen sich genügend Freiraum, um sich selbst zu verwirklichen. Dazu benötigen sie zum einen ein ausreichendes Einkommen. Zum anderen brauchen und fordern sie gute Arbeitsbedingungen.
Rekommunalisierung als Lösung?
Doch wie könnte ein Neustart des Krankenhauses in Ehrang aussehen? Es kann nur eine Lösung geben: Rekommunalisierung! Und dann? Stellt man Fachkräfte und Ärzte ein, die in diesem Krankenhaus arbeiten. In Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften baut man das System so um, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen Gehör finden und langfristig gute Arbeitsbedingungen vorfinden. Leider ist das Geld auch bei den Kommunen knapp. Also wird’s wohl nichts mit der Rekommunalisierung?
Geld ist genug da
Als Kommunist*innen ist für uns klar: Unser Gesundheitssystem darf nicht den Grundsätzen des Kapitalismus unterworfen sein. Wir brauchen eine Daseinsvorsorge, die allen Menschen zugutekommt. Die vor Ort den Menschen zur Seite steht. Diese kann und darf nicht an marktwirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet sein. Geld ist genug vorhanden! Wir unterstützen die Proteste der Menschen vor Ort für den Erhalt und den Wiederaufbau als vollwertiges Krankenhaus in Ehrang. Dies wird nur unter einer kommunalen Trägerschaft möglich sein. Wir fordern die Regierenden auf, die Krankenhausfinanzierung neu zu strukturieren und alle Krankenhäuser in kommunale Trägerschaft zu überführen! Nur so lässt sich die Gesundheitsvorsorge für alle Menschen wohnortnah verwirklichen!machen?
Marco, Trier