da die SDAJ Trier vorübergehend keinen eigenen Internetauftritt hat, veröffentlichen wir hier die Rede unseres engsten Bündnispartners zur Demonstration des Maibündnisses:
Liebe Genoss:innen, liebe Freund:innen, ich spreche heute für die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend SDAJ.
Die diesjährige 1. Mai Demo steht, wie bereits letztes Jahr unter dem Einfluss der Corona Pandemie. Dass es trotzdem eine Demo gibt, ist richtig und wichtig. Denn nach über einem Jahr Pandemie ist klar geworden: Die Coronabekämpfung der Bundesregierung diente und dient ausschließlich den Interessen des Kapitals.
Die Gesundheit des Menschen und insbesondere der Jugend, ist ihnen egal. Schloss man am Anfang noch fleißig die Schulen, da sie, berechtigterweise, als Pandemietreiber galten und gelten, sollen Schüler:innen heute bis zu einer Inzidenz von 165 in den Präsensunterricht geschickt werden. Ein Irrsinn, da eine Corona Infektion auch bei jungen Menschen ernsthafte Folgeschäden haben kann. Circa 10% aller Menschen die eine Covid Erkrankung überstanden haben, leiden an Long Covid Symptomen besonders betroffen sind dabei junge Menschen. Was jetzt per Gesetz verankert wird, wurde bereits am Anfang der Pandemie debattiert. Lassen wir doch die Kinder und Jugendlichen sowie junge Erwachsene alle infizieren, um eine sogenannte Durchseuchung zu erreichen. Ein perverser Plan, der junge Menschen quasi ohne mit der Wimper zu zucken einem bis dato kaum erforschten Virus aussetzen sollte. Freilich ohne die Jugend zu fragen ob sie das ok findet.
Das man sich nicht sonderlich um die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen scherte wurde auch klar, als die Schulen und Kitas wieder öffneten ohne ansatzweise ein funktionierendes Hygienekonzept zu haben. Weder wurden die Klassen kleiner, noch gab es ausreichend FFP-Masken, ganz zu schweigen von Luftfiltern. Stattdessen wurde auf Lüften gesetzt. Wer sich an seine Schulzeit erinnern kann, der weiß vielleicht noch, dass die meisten Fenster in der Schule maximal kippbar sind, meist wegen der Versicherung. Das schien man vergessen zu haben. Dass der Sommer ebenfalls lediglich eine von vier Jahreszeiten ist und Schüler:innen sobald es kälter wird bei geöffnetem Fenster frieren könnten wurde ebenfalls erfolgreich verdrängt. So sahen, als völlig überraschend gegen Ende des Jahres die Temperaturen fielen, die Schultaschen der meisten Schüler:innen eher aus wie der Rucksack zum Campen. Decke, Wärmflasche, Winterjacke und Thermounterwäsche wurden zum Standardequipment um einen Schultag in beissender Kälte zu überstehen. Von mangelhaften Schultoiletten, die bereits vor der Pandemie nichts mit dem Wort Hygiene gemein hatten wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Die Bundesregierung, die das ganze Jahr über freudig Unternehmen mit Milliarden Beträgen unterstützte, welche daraufhin dennoch tausende Mitarbeiter:innen entließen und ihren Aktionär:innen Boni auszahlten, hielt es nicht für nötig Schulen und Kitas mit Luftfiltern auszustatten um sie vor dem Frieren zu bewahren.
Doch besonders hart traf und trifft es wieder die Kinder und Jugendlichen aus einkommensschwachen oder migrantischen Haushalten. Schüler:innen, deren Eltern es sich nicht leisten können ihre Kinder zu fahren, müssen nach wie vor im überfüllten ÖPNV zur Schule und riskieren auf Grund schlechter Belüftung und fehlendem Abstand eine Infektion. Vom Land Rheinland-Pfalz bekam jeder Schüler, jede Schülerin eine einzige Stoffmaske. Seitdem eine medizinische Maskenpflicht gilt, müssen die Eltern für die Kosten dieser selbst aufkommen. Das führt dazu, dass OP und FFP2 Masken teils wochenlang getragen werden, bis sie auseinanderfallen oder von der ursprünglich weißen Farbe kaum noch etwas übrig ist.
Inzwischen wurden die meisten Klassen zwar halbiert und Wechselunterricht eingeführt, doch die Probleme hören nicht beim Infektionsschutz auf. Obwohl wir uns seit über einem Jahr in einer Pandemie befinden und der Unterricht zu Hause stärker in den Fokus gerückt wurde, haben noch immer nicht alle Schulen geschweige denn die Schüler:innen die benötigte, technische Ausstattung. In Familien existieren teilweise kein oder lediglich ein gemeinsames Endgerät, dass ausreichend groß ist um dem Unterricht adäquat folgen zu können wie zum Beispiel ein Laptop oder ein Tablet. Von Druckern und anderen benötigtem Equiptment ganz zu schweigen. Viele Schüler:innen konnten, wenn überhaupt, dem Unterricht nur auf ihrem Smartphone beiwohnen. Effektives Lernen sieht anders aus. Doch auch der seit Jahren sträflich vernachlässigte Ausbau von schnellem Internet machte sich bemerkbar. So konnten Schüler:innen teilweise nicht am Unterricht teilnehmen, weil bei zwei Geschwistern die ebenfalls im Home Schooling und eventuell noch ein Elternteil im Home Office waren, die Internetleitung nicht ausreichte um die Daten zu übertragen. So mussten viele Schüler:innen auf Jugendtreffs und andere Einrichtungen zurückgreifen um überhaupt dem Unterricht folgen zu können. Auch hier besonders betroffen: Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen oder migrantischen Familien.
Benotet wurden die Schüler:innen natürlich trotzdem. Denn: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Anstatt Prüfungen zu verschieben, abzusagen oder einen Durchschnittswert aus bisherigen Noten zu errechnen, mussten und müssen die Abschlussklassen weiterhin ihre Prüfungen schreiben und alle anderen werden benotet als gäbe es kein Morgen mehr. Drei Arbeiten in einer Woche Präsensunterricht oder die Benotung anhand der im Homeschooling angefertigten Unterlagen scheinen offenbar die Lösung für versäumte Lehr- und Benotungszeit zu sein. Sofern die Schüler:innen überhaupt die Möglichkeit hatten die Homeschooling Unterlagen zu bearbeiten bzw. einzureichen. Das führt bei nicht wenigen zu einer massiven Verschlechterung der Noten, bei einigen ist die Versetzung ins nächste Schuljahr bedroht. „Aber Noten sind doch wichtig“, wird der ein oder die andere jetzt vermutlich einwerfen. Wirklich? Was genau besagen die Noten zur Zeit denn? Sie spiegeln, wie oben dargelegt, nicht wieder, wie gut Schüler:innen in einem Fach sind. Im Gegenteil. Noch nie waren Noten so sehr davon abhängig wie die finanziellen Mittel des Elternhaus sind, wie während Corona. Es ist also keine faire Beurteilung von Leistung. Wenn sie das also nicht darstellen, warum sind sie dann wichtig? Um die Schüler:innen für den Arbeitsmarkt zu selektieren. Das war natürlich schon vor Corona die Aufgabe von Noten, zur Zeit wird es nur besonders deutlich.
Im benachbarten Saarland sollen alle Schüler:innen vor dem Abitur getestet werden. Die positiven bekommen aber nicht frei, sondern sollen in einem separaten Raum mit anderen positiven trotzdem ihr Abitur schreiben. Beaufsichtig wird das ganze dann von Grundschullehrer:innen, da diese bereits einmal geimpft wurden. An Absurdität ist das kaum noch zu übertreffen.
Doch wofür sollen Schüler:innen denn überhaupt selektiert werden? Natürlich für den von Konkurrenz geprägten Arbeitsmarkt. Waren bisher schon nicht genügend Ausbildungsplätze vorhanden, hat sich auch hier während Corona die Lage verschlechtert. Es gibt nochmal 9% weniger Stellen, also 57.600 Ausbildungsplätze weniger als im Vorjahr.
Statt also dringend benötigte Investitionen in unsere Gesundheit zu tätigen wie den flächendeckenden Ausbau von Luftfiltern, mehr ÖPNV oder kostenlose Masken für alle, werden lieber Konzerne gerettet und Geld in die Bundeswehr und NATO Truppenmanöver an der russischen Grenze gepulvert. Ehrlich wäre es anzuerkennen, dass das letzte Jahreine Bildungskatastrophe war und die einzig logische Schlussfolgerung sein kann die Prüfungen abzusagen. Denn: Während wir uns in der Freizeit mit maximal einem Freund bzw. einer Freundin treffen dürfen, ist es kein Problem in der Schule mit etlichen Haushalten zusammen zu sitzen. Wie bereits dargestellt geht es dabei nicht darum Bildung an Schüler:innen zu vermitteln sondern für den Arbeitsmarkt zu selektieren. Der Profit der Wirtschaft und der Nachwuchs an Auszubeutenden steht also über unserer physischen und psychischen Gesundheit. Das ist eine Frechheit! Wir fordern daher: Sagt die Prüfungen ab! Keine Note ist es Wert die Gesundheit von Schüler:innen zu gefährden. Außerdem: Besondere und kostenfreie Förderung von Schüler:innen die dank Homeschooling den Anschluss verloren haben.
Ein zu Ende gedachtes Hygienekonzept:
Mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen! Dazu: Flächendeckender Ausbau von Luftfilteranlagen! Wir haben genug gefroren!
Ausbau des ÖPNV! Die AHA-L Regeln dürfen nicht nur in der Schule sonder müssen auch auf dem Weg dorthin gelten.
Die Jugend ist von der Krise besonders betroffen. Doch für uns ist klar, dass unsere Rechte nicht vom Himmel fallen werden. Wir werden sie erkämpfen müssen. Denn wir wollen keinen Kriegskurs gegen Russland und China, der darin endet, dass wir uns unsere Köpfe einschiessen lassen müssen um die Interessen von deutschen Banken und Konzernen zu verteidigen. Und wir wollen unsere Gesundheit nicht gefährden um möglichst gut in den Ausbeutungsmarkt zu passen. Was wir wollen sind gerechte Bildung und Frieden. Das wird es im Kapitalismus nicht geben. Denn so untrennbar miteinander verschmolzen wie Kapitalismus und Krise sind auch Kapitalismus und Krieg. Wir kämpfen daher am 1. Mai und an jedem anderen Tag für Frieden und Gerechtigkeit, also für den Sozialismus.
Hoch die internationale Solidarität!
Danke.
