Rede der DKP Trier zum Protest gegen Abtreibungsgegner*innen

Liebe Genoss*innen, liebe Genossen,
liebe Freund*innen und Freunde,
ich halte heute die Rede für die DKP, die Kommunistische Partei in Trier.

Heute treffen sich in der Trierer Stadtbibliothek bekennende Antifeminist*innen und Rechte zu einem Vortrag, der vom sogenannten „Trierer Bündnis für Lebensrecht und
Menschenwürde“ und der „Aktion Lebensrecht für alle“ veranstaltet wird. Beide erlangten 2013 Bekanntheit in ganz Trier durch die Versendung von Plastikembryonen an 20.000 Trierer Haushalte, wodurch das Selbstbestimmungsrecht von Frauen weiter untergraben werden sollte. Durch einseitige Informationen wollen die genannten Vereine Frauen gezielt Schuldgefühle und Angst unter dem Deckmantel des Lebensschutzes vermitteln.

Maßgeblich beteiligt damals und heute war auch Michael Frisch, Landtagsabgeordneter,
Stadtratsmitglied und Vorsitzender der Trierer AfD.

Der Kampf des Patriarchats, allen voran der katholischen Kirche, gegen das Recht der Frauen auf einen selbstbestimmten und sicheren Schwangerschaftsabbruch hat in
Deutschland lange Tradition. Bereits 1924 forderte die Kommunistische Partei Deutschlands – KPD auf Plakaten, den damals schon aktiven Abtreibungsparagraphen §218 abzuschaffen. Sie stellte sich damit an die Seite der Frauenbewegung dieser Zeit, genau wie wir es hier und heute tun.

Durch die aktuellen Diskussionen um Verschärfungen von Abtreibungsparagraphen in den USA und den schlechten Kompromiss von SPD und CDU zum Paragraphen §219a wird der Wille der derzeitigen Regierungen deutlich, den Frauen nicht ihr seit Jahrhunderten eingefordertes Recht auf Selbstbestimmung zuzugestehen. Vielmehr entspricht das hier
vorherrschende patriarchale Frauenbild nach wie vor dem des schwachen Geschlechts, welches nicht in der Lage ist, ohne Vorgaben einer männerdominierten Gesellschaft über den eigenen Körper zu entscheiden und dies auch im Sinne ihrer Kinder zu tun. Am Beispiel Kanadas, wo Abtreibungen ohne Einschränkungen durch Fristen- und Beratungsregelungen erlaubt sind, zeigt sich, dass Frauen auch ohne die in Deutschland bestehende Strafbarkeit nicht zu impulsgesteuerten Kindsmörderinnen mutieren würden, wie es von der „Aktion Lebensrecht für Alle“ propagiert wird. Die Durchsetzung ihrer rechtskonservativ geprägten
Moralvorstellungen will die „Aktion Lebensrecht für Alle“ dadurch erreichen, dass Frauen der Zugang zu legaler und damit sicherer Abtreibung verwehrt wird, womit sie letztendlich deren Tod in Kauf nimmt. Dies hat nichts anderes zum Ziel als die Aufrechterhaltung traditioneller und reaktionärer Frauenbilder, die Frauen nicht als gleichberechtigte Menschen in der Gesellschaft darstellen, sondern sie im Sinne des Nationalsozialismus auf ihre Gebärfähigkeit reduzieren.

Gegen dieses rückständige Frauenbild müssen wir ankämpfen, nicht nur heute hier in Trier, sondern weltweit. Überall auf der Welt sind nicht nur am 8. März, dem Frauenkampftag,
Menschen für Frauenrechte auf der Straße. Dieser Tage protestieren in Argentinien millionenfach Frauen und auch Männer für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, nachdem eine 11jährige nach einer Vergewaltigung ihr Kind austragen musste. In den USA gehen die Frauen verstärkt gegen die Beschneidung ihrer Rechte und gegen eine erstarkende fundamental-christliche Bewegung vor. In Deutschland kämpfen Arzt*innen wie Kristina Hänel für die Abschaffung des Werbungsverbots und damit für das Recht auf freie Zugänglichkeit von Informationen, die Frauen benötigen, um selbstbestimmte Entscheidungen über den eigenen Körper zu treffen. Wir solidarisieren uns heute mit allen Menschen weltweit, die für reproduktive Rechte und damit grundlegende Menschenrechte eintreten.

Wir fordern daher nicht nur die Abschaffung des Paragraphen §219a, sondern auch die Abschaffung des Paragraphen §218 und damit eine längst überfällige Entkriminalisierung
von Abtreibungen.
Wir fordern eine flächendeckende, kostenlose Versorgung durch ausreichend vorhandene
Einrichtungen für Schwangerschaftsabbrüche! Diese ist in Trier nicht gewährleistet.

Die Benachteiligung und damit die doppelte Unterdrückung der Frau im Kapitalismus muss beendet werden. Die Unterdrückung der Frau zu beenden heißt auch den Kapitalismus zu überwinden – und das können wir nur gemeinsam erreichen!

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